Great Zimbabwe: Die mittelalterliche Steinstadt Afrikas
Great Zimbabwe, ein Ensemble aus massiven Steinmauern ohne Mörtel auf einem Granitplateau im Süden Zimbabwes, war zwischen ca. 1100 und 1450 n. Chr. die Hauptstadt eines bedeutenden afrikanischen Reiches, das den Goldhandel zwischen dem Inneren Südafrikas und der Küste des Indischen Ozeans kontrollierte. Great Zimbabwe ist auf der interaktiven Karte der Plattform eingetragen. Die Stätte ist das drittgrößte erhaltene Ensemble afrikanischer Steinarchitektur überhaupt — nach den Pyramiden und Kush — und Namengeber des modernen Zimbabwe.
Die Architektur
Great Zimbabwe besteht aus drei Hauptteilen: dem Hügel-Komplex (Akropolis) auf dem Granitfelsen, der Großen Einhegung (Great Enclosure) im Tal unten und dem Tal-Komplex. Die Große Einhegung ist das ikonischste Monument: Eine ovale Mauer aus Granitblöcken ohne Mörtel, bis zu 11 Meter hoch und 250 Meter im Umfang, mit einem Durchmesser von bis zu 90 Metern. Im Inneren steht der Kegelturm — ein massiver, nach oben verjüngter Turm ohne Innenraum, dessen Funktion noch nicht abschließend erklärt ist (Symbolik? Getreidespeicher? Wohnturm?).
Die Bautechnik — Trockensteinmauerwerk aus regelmäßig zugerichteten Granitblöcken, einige Meter tief im Boden verankert — ist einzigartig in der präkolonialen Architektur Südafrikas und steht in keiner bekannten Verbindung zu außerafri- kanischen Bauttraditionen.
Die Shona-Herrscher und der Goldhandel
Great Zimbabwe war die Residenz der Herrscher des Zimbabwe-Plateaus, die von arabischen Quellen und Swahili-Handelspartnern als mächtige "Goldkönige" beschrieben werden. Der Fundort enthält Fayence-Perlen aus Indien, chinesische Seladon-Keramik, islamische Glaswaren — Güter, die über die Küstenhandelsstädte (Sofala, Kilwa, Mombasa) des indischen Ozeans ins Inland gelangten.
Das Reich exportierte Gold (aus dem Zimbabwe-Plateau) und Elfenbein und importierte Luxusgüter. Die Ausgrabungen der 1970er und 80er Jahre (Peter Garlake, among others) haben den kommerziellen Charakter der Stätte und ihr Handelsnetzwerk klar belegt.
Die Kontroverse: Rassismus in der Archäologie
Die Geschichte der Erforschung Great Zimbabwes ist ein Lehrbuch-Beispiel für rassistische Verzerrung in der Archäologie. Als europäische Händler und Kolonisatoren die Stätte im späten 19. Jahrhundert "entdeckten" (sie war der lokalen Bevölkerung stets bekannt), weigerten sich viele — darunter der Journalist und Entdecker Carl Peters und der Autor Richard Nicklin Hall — anzuerkennen, dass Afrikaner dieses Monument erbaut haben konnten.
Stattdessen wurde eine Vielzahl fremder Erbauer erfunden: Phönizier, Araber, biblische Sabäer, Ägypter — alle außerafrikanischen Ursprünge wurden vorgezogen. Dies spiegelte die koloniale Ideologie, dass sub-saharische Afrikaner keine Zivilisation in diesem Sinne aufbauen konnten.
David Randall-MacIver (1905) und Gertrude Caton-Thompson (1929) etablierten durch systematische Ausgrabungen, dass Great Zimbabwe von Bantu-sprachigen Vorfahren der heutigen Shona gebaut wurde und keinerlei Hinweis auf nicht- afrikanische Erbauer zeigt. Diese wissenschaftliche Erkenntnis war politisch lange umstritten — unter der Rhodesia-Regierung wurde sogar wissenschaftliche Veröffentlichung behindert.
Bedeutung für Zimbabwe und Afrika
Great Zimbabwe wurde nach der Unabhängigkeit (1980) zum Nationalsymbol des neuen Staates und zum Namensgeber. Die Vogelstatuen (Zimbabwe Birds), in Speckstein gehauen und möglicherweise Ahnengeister repräsentierend, sind heute das Staatssymbol Zimbabwes. Die Rückgabe der Originalstatuen, die sich zu Rhodesia-Zeiten in Südafrika befanden, war eine symbolisch wichtige Aktion. UNESCO-Welterbestätte seit 1986.
Auf der Karte erkunden
Great Zimbabwe ist auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Stätte liegt im Südosten Zimbabwes, nahe der Stadt Masvingo, und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zugänglich.