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Die 10 bedeutendsten archäologischen Stätten in Bulgarien

Bulgarien ist archäologisch reicher, als seine touristische Wahrnehmung vermuten lässt. Auf seinem Territorium befanden sich die thrakische Hochkultur der Bronzezeit, griechische Kolonien an der Schwarzmeerküste, die römische Provinz Moesia und eines der ersten mittelalterlichen Reiche Europas — das Erste Bulgarische Reich, das im 9. Jahrhundert n. Chr. einen großen Teil des Balkans dominierte.

1. Plovdiv (Philippopolis), Südbulgarien

Plovdiv ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte Europas. Der historische Stadtteil auf den Sieben Hügeln enthält eine gut erhaltene römische Theateranlage (2. Jahrhundert n. Chr., für 7000 Zuschauer, noch heute für Konzerte genutzt), ein Stadionrest, frühchristliche Basiliken und ein bemerkenswert gut erhaltenes Ensemble aus osmanischer und National- wiedergeburts-Zeit-Architektur (18./19. Jahrhundert). Ausgrabungen unter dem modernen Stadtgebiet zeigen thrakische, griechische und römische Schichten.

2. Madara-Reiter, Nordostbulgarien

Der Madara-Reiter, aus dem frühen 8. Jahrhundert n. Chr. in einen Steilfelsen gemeißelt, zeigt einen Reiter, der einen Löwen durchbohrt — ein ikonographisches Programm, das die Macht des bulgarischen Khans symbolisiert. Es ist das einzige monumentale Felsrelief Mittelaltereuropas und ein einzigartiges Zeugnis der vorchristlichen protobulgarischen Herrscherideologie. Begleitinschriften in griechischer Sprache nennen Khans und Ereignisse des 8./9. Jahrhunderts. UNESCO-Welterbestätte seit 1979.

3. Perperikon, Rhodopen

Perperikon, auf einem Felsgipfel in den Rhodopen, ist eine der ausgedehntesten antiken Stätten Bulgariens: ein in den Fels gehauenes Ensemble aus Tempeln, Palästen und Wohnstrukturen, das vom Chalkolithikum (5. Jahrtausend v. Chr.) bis in die byzantinische Zeit durchgehend besiedelt war. Ein bedeutendes Apollon-Orakel soll Alexander dem Großen hier das Weltreich prophezeit haben. Thrakische Kultpraktiken — Felsaltare, Bothroi (Opfergruben) — sind außergewöhnlich gut erhalten.

4. Kazanlak-Grab, Mittelbalkan

Das Thrakergrab von Kazanlak (ca. 4. Jahrhundert v. Chr.) ist das besterhaltene und kunsthistorisch bedeutsamste Grabdenkmal der Thraker — ein kleines Kuppelgrab mit Wandmalereien, die ein Totenmahl und Kriegsszenen zeigen, in einer Qualität, die mit zeitgenössischen griechischen Wandmalereien konkurriert. Das Original ist zum Schutz für Besucher geschlossen; eine exzellente Replik in unmittelbarer Nähe gibt das vollständige Bildprogramm wieder. UNESCO-Welterbestätte seit 1979.

5. Nessebar (Mesembria), Schwarzmeerküste

Nessebar, auf einer schmalen Halbinsel an der Schwarzmeerküste, ist eine der ältesten griechischen Kolonien Bulgariens (gegründet ca. 510 v. Chr. von Megara). Die Altstadt zeigt mittelalterliche bulgarische und byzantinische Kirchenruinen in ungewöhnlicher Dichte — über 40 Kirchen auf wenigen Hektar —, thrakische und griechische Reste darunter und eine osmanische Stadtstruktur, die den Charakter der Halbinsel bewahrt hat. UNESCO-Welterbestätte seit 1983.

6. Varna-Goldschatz, Schwarzmeerküste

Der Varna-Goldschatz, 1972 bei Bauarbeiten entdeckt, ist die älteste bekannte Ansammlung verarbeiteten Goldes der Welt (ca. 4500–4200 v. Chr.) — aus der Chalcolithischen Varna-Kultur. Die Gräber enthielten goldene Szepter, Diademe, Halsketten und symbolische Bestattungsbeigaben in einem Ausmaß, das zeigt, dass die chalcolithischen Gesellschaften am Schwarzen Meer hochkomplexe soziale Hierarchien ausgebildet hatten, lange bevor die Metallurgie in Mitteleuropa begann. Das Archäologische Museum Varna bewahrt die Sammlung.

7. Große Preslav und Pliska, Nordostbulgarien

Pliska war die erste Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches (Ende 7. bis 893 n. Chr.) — eine riesige befestigte Anlage mit einem Palastkomplex und einer Hauptkirche. Pliska ist der Ort, an dem Khan Boris I. 864 n. Chr. die Taufe empfing und das Christentum zum Staatsreligion machte. Große Preslav war die Nachfolgehauptstadt (893–971), deren Grabungen ein hohes Niveau von Architektur, Keramik und Buchkunst gezeigt haben. Beide Stätten sind UNESCO-Welterbestätten.

8. Thrakisches Heiligtum von Starosel

Starosel in Mittelbulgarien enthält ein thrakisches Heiligtum und Grab aus dem 5./4. Jahrhundert v. Chr. mit einer Kuppelhalle von 5 Metern Durchmesser — eine der größten thrakischen Kuppelkonstruktionen bekannt. Die Anlage gehört einem Ensemble thrakischer Grabhügel an, von denen viele noch unerforscht sind. Das Gebiet um Karlovo und Kazanlak hat die höchste Dichte an Thrakergrabhügeln (Tumuli) in Bulgarien.

9. Deultum (Debelt), Schwarzmeerküste

Deultum, bei Burgas, war eine römische Veteranenkolonie aus der Zeit Vespa- sians (69–79 n. Chr.) — die einzige Veteranenkolonie auf dem Territorium des heutigen Bulgariens. Die Ausgrabungen haben das Forum, Thermen, ein Amphitheater und die Hafeninfrastruktur für den Schwarzmeerhandel freigelegt. Die Funde von Handelsgütern aus dem gesamten östlichen Mittelmeerraum zeigen die Einbindung dieser Schwarzmeerprovinz in die imperiale Wirtschaft.

10. Sozopol (Apollonia Pontika), Schwarzmeerküste

Sozopol war im 7. Jahrhundert v. Chr. die erste griechische Kolonie am bulgarischen Schwarzmeer — und damit eine der ältesten überhaupt in dieser Region. Unterwasser- archäologische Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten haben bronzezeitliche Siedlungsreste auf dem versunkenen Teil des Küstenstreifens gefunden. Die Altstadt mit ihren Holzhäusern des 18./19. Jahrhunderts ist ein lebendiges Stadtensemble über antiken Grundmauern.

Auf der Karte erkunden

Bulgariens archäologische Vielfalt von der Schwarzmeerküste bis in die Rhodopen lässt sich auf der interaktiven Karte gezielt erkunden.

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