Die 10 bedeutendsten archäologischen Stätten in Kroatien
Kroatien war im Altertum Teil der Provinz Dalmatien und ein strategisch wichtiger Küstenstreifen Roms. Die adriatische Küste mit ihren natürlichen Häfen war für Rom von militärischer und wirtschaftlicher Bedeutung; die Inseln kontrollierten die Schifffahrtsrouten. Heute bewahren Split, Pula und Salona Römermonumente von außergewöhnlichem Erhaltungszustand, und die prähistorischen Kulturen Kroatiens reichen von der Heidelbergmensch-Zeit bis zur mittelalterlichen Staatsgründung.
1. Diokletianspalast, Split
Der Palast Kaiser Diokletians, erbaut zwischen 295 und 305 n. Chr. als Altersresidenz für den ersten Kaiser, der freiwillig abdankte, ist heute das Herzstück der Altstadt Split — keine Ruine, sondern eine lebendige Stadt innerhalb antiker Mauern, in der Menschen wohnen, Restaurants betreiben und Handel treiben. Der Keller des Palasts, vollständig erhalten, zeigt den Grundriss des Obergeschosses spiegelbildlich. Das Mausoleum Diokletians wurde zur Kathedrale umgewandelt (der einzige Fall, dass ein Kaiser in seiner eigenen Grabkirche von der christlichen Religion übernommen wurde). UNESCO-Welterbestätte seit 1979.
2. Salona (Solin), bei Split
Salona, heute Solin bei Split, war die Hauptstadt der römischen Provinz Dalmatien und eine der größten Städte des westlichen Balkans — mit Spitzen- bevölkerung von möglicherweise 60.000 Einwohnern. Das Amphitheater, die frühchristlichen Basiliken (Manastirine, Kaplju), das Forum und das Theater sind über eine weitläufige Grabungsfläche verteilt. Salona war die Geburtsstadt Diokletians. Die Stadt wurde im 7. Jahrhundert durch Avaren-Einfall zerstört; die Bevölkerung floh in den nahegelegenen Kaiserpalast — der Beginn Splits.
3. Pula-Amphitheater, Istrien
Das Amphitheater von Pula, in vollem Erhaltungszustand mit der äußeren Fassade stehend, ist eines der sechs größten erhaltenen Amphitheater der Welt und das am besten erhaltene außerhalb Italiens. Erbaut im 1. Jahrhundert n. Chr. für bis zu 23.000 Zuschauer, wird es bis heute für Konzerte, Filmfestivals und Sportveranstaltungen genutzt. Die drei unterschiedlichen Säulenordnungen der Fassadentürmchen zeigen die ästhetische Vielfalt des römischen Amphitheaterbaus. Pula selbst zeigt weitere Römermonumente: einen Triumphbogen, den Augusung- Tempel, Tore.
4. Nin, Dalmatien
Nin, auf einer kleinen Insel in der Bucht nahe Zadar, war das politische Zentrum des frühen kroatischen Königtums: Hier krönten die kroatischen Könige ihre Bischöfe und residierte das erste kroatische Bistum. Unter dem mittelalterlichen Nin liegt eine griechische und eine dalmatisch-römische Stadtanlage. Das Museum bewahrt außergewöhnliche frühmittelalterliche Goldfunde — Goldschmuck kroatischer Fürsten des 9. Jahrhunderts, der zu den bedeutendsten Funden der frühmittelalterlichen Edelschmiedekunst Europas gehört.
5. Zadar (Iader), Dalmatien
Zadar war die bedeutendste römische Küstenstadt nördlich von Salona, mit einem gut erhaltenen Forum des 1. Jahrhunderts v. Chr./n. Chr. und einer Säule des Kapitolinen-Tempels, die in der Altstadt steht. Die frühmittelalterliche Rotunde der Heiligen Donatus (9. Jahrhundert), auf den Fundamenten des Forums errichtet, ist eines der bedeutendsten karolingischen Kirchenbauten des Adriaraums. Die heutige Altstadt ist auf der Halbinsel eine direkte Überlagerung der römischen Stadtstruktur.
6. Krapina, Nordwestkroatien
Krapina ist einer der bedeutendsten Neandertaler-Fundorte der Welt: Im Husnjak- Felsen wurden 1899 von Dragutin Gorjanović-Kramberger die Knochen von mindestens 75 Individuen des Homo neanderthalensis aus dem Zeitraum von ca. 130.000 Jahren entdeckt. Die Stätte ist einzigartig durch die Menge der Funde und durch Spuren auf den Knochen, die auf intentionale Behandlung (möglicherweise Defleischung, eventuell auch Kannibalismus) hindeuten. Das Museum der Neandertaler in Krapina (2010 eröffnet) ist ein Modell moderner prähistorischer Museographie.
7. Burnum, Dalmatien
Burnum, am Krka-Fluss in Dalmatien, war ein römisches Legionslager, das die legio XI Claudia und spätere Einheiten beherbergte. Die sichtbaren Reste zeigen das Praetorium (Kommandantengebäude) und Teile des Amphitheaters — bei einem Militärlager dieser Größe war ein eigenes Amphitheater üblich. Burnum liegt am Rand des Krka-Nationalparks; die Kombination von Archäologie und außergewöhnlicher Naturlandschaft macht die Stätte zu einem der attraktivsten Reiseziele Dalmatiens.
8. Asseria, Norddalmatien
Asseria, nahe Benkovac, war eine illyrische Stadt, die unter römischem Einfluss eine bedeutende stadtische Anlage entwickelte. Die Stadtmauer, eines der besterhaltenen antiken Stadtmauern des östlichen Adriaraums, umgibt ein Areal mit Forum-Resten, Grabmonumenten und Tempelbauresten. Die Mauertürme mit ihren Inschriften der duovirii (städtischen Magistraten) sind bemerkenswert.
9. Issa (Vis), Dalmatien
Issa, auf der Insel Vis, war die älteste griechische Kolonie auf kroatischem Territorium (gegründet von Syrakus ca. 390 v. Chr.). Die Ausgrabungen haben ein Stadtviertel mit Wohnhäusern und Werkstätten freigelegt. Das Museum auf Vis zeigt Funde griechischer und römischer Zeit, darunter exzellente Terrakotta- statuetten und Keramik. Vis war im Zweiten Weltkrieg Stützpunkt der Partisan- Bewegung; die militärischen Anlagen aus dieser Zeit überlagern die antike Stätte.
10. Bribir (Breberium), Dalmatien
Bribir, auf einem isolierten Tafelberg, war das Zentrum der Adelsfamilie der Šubić, einer der mächtigsten kroatischen Adelsfamilien des Mittelalters. Unter der mittelalterlichen Burg liegen Reste einer antiken Siedlung und illyrischer Grabhügel. Die Ausgrabungen haben eine kontinuierliche Besiedlung von der Eisen- zeit bis ins 17. Jahrhundert belegt. Die Stätte ist ein gut erhaltenes Beispiel für die Überlagerung antiker und mittelalterlicher Machtzentren auf strategischen Hügeln Dalmatiens.
Auf der Karte erkunden
Kroatiens archäologische Stätten entlang der adriatischen Küste und im Hinterland sind gut vernetzt und oft miteinander kombinierbar. Die interaktive Karte zeigt alle eingetragenen Fundorte.