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Die 10 bedeutendsten archäologischen Stätten in Libyen

Libyen besitzt eine außergewöhnliche archäologische Substanz, die dem Umstand verdankt, dass viele der antiken Küstenstädte nach dem Niedergang nie wieder großstädtisch überbaut wurden. Drei UNESCO-Welterbestätten — Leptis Magna, Sabratha und Cyrene/Apollonia — stehen an der Küste, dazu kommen die prähistorischen Felszeichnungen der Sahara. Das Land war Kerngebiet der griechischen Kyrenaiika im Osten und des karthagischen und später römischen Tripolitanien im Westen.

1. Leptis Magna, Tripolitanien

Leptis Magna ist eine der besterhaltenen Ruinenstädte des Römischen Reiches überhaupt — weiter erhalten als Pompeji und Herculaneum, weil sie tiefer im Sand versank und erst im 20. Jahrhundert systematisch ausgegraben wurde. Die Stadt, Geburtsort von Kaiser Septimius Severus (193–211 n. Chr.), erlebte unter ihm einen gewaltigen Ausbau: ein neues Forum, Basilika, Triumphbogen und die Colonnaded Street. Der Hafen, das Theater (1. Jahrhundert v. Chr.) und die Trajansanlage gehören zum beeindruckendsten urbanen Ensemble der Römerzeit. UNESCO-Welterbestätte seit 1982.

2. Sabratha, Tripolitanien

Sabratha, westlich von Tripolis, war eine der drei Hauptstädte Tripolitaniens (mit Leptis Magna und Oea/Tripolis). Das bemerkenswerteste Monument ist das Theater des 2. Jahrhunderts n. Chr. mit seiner dreistöckigen Bühnenfront (Scaenae Frons), die von italienischen Archäologen in den 1920er und 30er Jahren aufwendig rekonstruiert wurde. Vorpunische und punische Schichten bezeugen die Geschichte der Stadt als phönizischen Handelsstützpunkt ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. UNESCO-Welterbestätte seit 1982.

3. Cyrene (Shahat), Kyrenaika

Cyrene war die bedeutendste griechische Kolonie in Nordafrika, gegründet um 631 v. Chr. von Kolonisten aus Thera (Santorini). Die Stadt liegt auf einem Plateau, 600 Meter über dem Mittelmeer. Das Apollon-Heiligtum mit seinen mehrfach übereinander gebauten Tempeln, das Zeus-Heiligtum (eines der größten bekannten griechischen Tempel), das Agora-Komplex und ein gut erhaltenes Theater zeigen den Reichtum dieser hellenistischen Metropole, die der Heimat des Eratosthenes (der erste Wissenschaftler, der den Erdumfang berechnete) und des Philosophen Aristipp war. UNESCO-Welterbestätte seit 1982.

4. Apollonia (Marsa Susa), Kyrenaika

Apollonia war der Hafenort von Cyrene, fünf Kilometer unterhalb des Plateaus am Meer gelegen. Ein erheblicher Teil der antiken Stadt liegt heute unter Wasser, da der Küstenabschnitt nach Erdbeben versunken ist. Unterwassergrabungen haben Hafenanlagen, Lagerhäuser und Tempelfundamente dokumentiert. Die landseitigen Teile zeigen byzantinische Basiliken und eine Palastanlage aus der spätantiken Phase, als Apollonia für kurze Zeit Hauptstadt der byzantinischen Provinz Pentapolis war. UNESCO-Welterbestätte (Teil von Cyrene) seit 1982.

5. Ghadames, Libysches Sahara-Vorland

Ghadames, die "Perle der Wüste", ist eine Oasenstadt am Dreiländereck Libyen– Algerien–Tunesien, deren altes Stadtzentrum eine vollständige vorislamische und frühislamische Wohnarchitektur bewahrt: Gassen sind überdacht, die Häuser durch Übergänge in oberen Stockwerken verbunden, sodass Frauen sich bewegen konnten, ohne auf die Straße zu müssen. Die Anlage geht auf ein römisches Militärlager zurück, wurde aber in ihrer heutigen Form zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert n. Chr. angelegt. UNESCO-Welterbestätte seit 1986.

6. Tadrart Acacus, Fessan

Tadrart Acacus im Südwesten Libyens ist eine Felswüstenlandschaft mit einer der größten Konzentrationen prähistorischer Felskunst der Welt. Die Darstellungen — Rinder, Elefanten, Giraffen, Menschen beim Tanz und bei der Jagd, später auch Kamele — datieren von ca. 12.000 v. Chr. bis in die historische Zeit und spiegeln die dramatischen Klimaveränderungen der Sahara, einschließlich einer feuchten Phase (Grüne Sahara) zwischen 7000 und 3000 v. Chr. UNESCO-Welterbestätte seit 1985.

7. Germa (Garama), Fessan

Germa war die Hauptstadt der Garamanten, einem Berbervolk, das zwischen dem

  1. Jahrtausend v. Chr. und dem 7. Jahrhundert n. Chr. das libysche Inland beherrschte. Die Garamanten entwickelten ein Foggara-Bewässerungssystem — Hunderte von Kilometern unterirdischer Kanäle, die Grundwasser aus den Bergen in die Oasen leiteten — und betrieben Fernhandel zwischen subsaharischem Afrika und dem Mittelmeerraum. Die Ausgrabungen der Universität Leicester haben die Garamanten-Zivilisation als komplexe staatliche Struktur mit Städten und Schrift begreifbar gemacht.

8. Ghirza, Tripolitanien

Ghirza, tief im libyschen Hinterland, ist ein außergewöhnliches Ensemble romano-libyscher Grabmäler und einer kleinen Siedlung aus dem 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Die Grabturme, errichtet von halbnomadischen Berberfamilien, zeigen Reliefs, die landwirtschaftliche Szenen, Jagd und Bewaffnung dokumentieren — ein seltenes Bild der romanisierten Randgesellschaft des Reichs, weit von den städtischen Zentren entfernt. Die Inschriften sind latinisiert-libyscher Herkunft.

9. Lauer (Ptolemais), Kyrenaika

Ptolemais, gegründet im 3. Jahrhundert v. Chr. unter den Ptolemäern, war eine der fünf Städte der Pentapolis (dem griechisch-römischen Städtebund der Kyrenaika). Gut erhaltene Teile der Kolonnadenstraße, von Villen mit Mosaikböden und einer byzantinischen Stadtanlage sind sichtbar. Das "Palazzo delle Colonne" — ein großes Stadtpalais aus dem 1./2. Jahrhundert n. Chr. — ist eines der interessantesten privaten Architekturensembles der libyschen Antike.

10. Wadi Methkandoush, Fessan

Wadi Methkandoush im Wadi Ash-Shati ist eine Schlucht, in deren Felswänden mehrere Hundert prähistorische Gravierungen erhalten sind, vor allem großformatige Tierdarstellungen — Flusspferde, Krokodile, Giraffen und Rinder aus der Zeit der Grünen Sahara. Das Hippopotam-Relief zählt zu den größten bekannten Felszeichnungen der Sahara überhaupt und belegt die einstige Anwesenheit von Flusspferden in der heute völlig trockenen Region.

Auf der Karte erkunden

Libyens archäologische Stätten verteilen sich zwischen der Mittelmeerküste und der tiefen Sahara. Viele sind auf der interaktiven Karte eingetragen und zeigen die geographische Dimension dieses Erbes.

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