Die 10 bedeutendsten archäologischen Stätten in Marokko
Marokko war im Altertum das westlichste Ende der bekannten Welt — die Säulen des Herakles (Gibraltar) markierten die Grenze. Dennoch war das Land von phönizischen Händlern, Römern, Berbern und ab dem 7. Jahrhundert von arabischen Dynastien intensiv besiedelt. Die archäologischen Stätten Marokkos verbinden diese verschiedenen Epochen mit einer lebendigen Stadtbautradition, die bis in die Gegenwart reicht.
1. Volubilis, Region Fès-Meknès
Volubilis, nahe Meknès gelegen, ist die besterhaltene Römerstadt Marokkos. Die Stadt, die von Berbern des Volkes der Mauretanier gegründet und unter Kaiser Claudius Teil der Provinz Mauretania Tingitana wurde, erlebte ihren Höhepunkt im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Die Ausgrabungen zeigen das Kapitol, einen Triumphbogen des Caracalla, das Forum, Basilika und zahlreiche Privathäuser mit qualitätvollen Mosaikböden (Dionysos, Orpheus, Herkules). Die Stadt wurde nach dem Rückzug Roms von Berbern weiter bewohnt und war im 8. Jahrhundert zeitweise Hauptstadt des islamischen Idrisid-Reiches. UNESCO-Welterbestätte seit 1997.
2. Lixus, Atlantikküste
Lixus, bei Larache am Atlantik gelegen, war eine der frühesten phönizischen Kolonien des westlichen Mittelmeers (möglicherweise Gründung vor 1000 v. Chr.) und wird von Plinius mit dem mythischen Garten der Hesperiden gleichgesetzt. Die sichtbaren Reste sind hauptsächlich römischer Zeit: ein Theater, Thermen, Amphitheater und Garum-Produktionsanlagen (Garum war eine allgegenwärtige Fischsoße, deren Herstellung man vor allem in Atlantiknähe konzentrierte). Ältere phönizische und punische Schichten liegen unter der Römerstadt.
3. Chellah (Sala Colonia), Rabat
Chellah, nahe dem Herzen der Hauptstadt Rabat, ist ein einzigartiges Ensemble: Unter einem mittelalterlichen islamischen Königsbegräbniskomplex der Meriniden (14. Jahrhundert) liegen die Fundamente der römischen Kolonie Sala. Das merinidische Tor, Moschee, Minarett, Sultangräber und Gärten sind in einem Hain von Feigen-, Orangen- und Granatapfelbäumen eingebettet. Der Ort ist auch als Storchenkolonie bekannt. Die Überlagerung von Römerzeit und mittelalterlicher maurischer Kultur auf engem Raum macht Chellah zu einem einzigartigen Ort.
4. Sijilmasa, Tafilalt-Oase
Sijilmasa, in der Tafilalt-Oase am Rand der Sahara gelegen, war die nördlichste Endstation der transsaharischen Handelsrouten, über die Gold, Elfenbein und Sklaven von Westafrika in den Mittelmeerraum gelangten. Die Stadt, gegründet im 8. Jahrhundert n. Chr. und für fast tausend Jahre bedeutend, wurde im 17. Jahrhundert endgültig verlassen. Die Ausgrabungen der 1990er Jahre (Boston University) zeigen urbane Strukturen von beachtlichem Ausmaß und Wohlstand. Sijilmasa ist der Geburtsort der Alawiten-Dynastie, die heute noch Marokko regiert.
5. Akka (Felszeichnungen), Anti-Atlas
Die Petroglyphen von Akka im Anti-Atlas-Gebirge, von denen Volubilis-Grabungen auch Material im GeoJSON-Datensatz aufgeführt, gehören zu den bedeutendsten prähistorischen Felskunststätten Marokkos. Tiere der Savanne — Elefanten, Nashörner, Nilpferde, Strauße — aus der Zeit der Grünen Sahara (bis ca. 4000 v. Chr.) zeigen, wie fundamental sich das Klima verändert hat. Einige Darstellungen zeigen Rinderhirten und Jagdszenen aus neolithischer Zeit; spätere Schichten umfassen libysch-berberische Schriftzeichen.
6. Mzoura, Nordmarokko
Mzoura (auch Mzora) ist ein megalithisches Monument nahe Asilah — ein elliptischer Steinkreis mit über 160 Steinen und einem zentralen Megalithen von fast 6 Metern Höhe. Das Monument datiert auf das 3. bis 2. Jahrtausend v. Chr. und zeigt enge Parallelen zu westeuropäischen Megalithkultur der atlantischen Fazies. Eine klassische Legende verknüpfte das Monument mit dem Grab des mythischen Antaios; spätere Überarbeitungen zeigen eine punische Nutzungsphase.
7. Ksar es-Seghir, Nordmarokko
Ksar es-Seghir, an der Meerenge von Gibraltar gelegen, wurde zwischen 1977 und 1981 von der American School of Research vollständig ausgegraben — es ist eine der wenigen vollständig archäologisch untersuchten mittelalterlichen Islamstädte Nordafrikas. Gegründet um 1100 n. Chr. als Übergangshafen, zeigt die Stadt eine vollständig runde Stadtmauer, ein Hammam, eine Moschee und eine Kirche aus der kurzen portugiesischen Besatzungszeit (1458–1549). Die Stratigraphie spiegelt den religiösen und politischen Wandel Nordmarokkos wider.
8. Jbel Musa, Region Tanger
Jbel Musa, einer der zwei "Säulen des Herakles" gegenüber Gibraltar, ist weniger durch Ausgrabungen als durch prähistorische Funde bekannt: Acheulée- Werkzeuge auf einem Niveau von mehreren 100.000 Jahren Alter belegen die frühe Anwesenheit von Homo-Populationen an dieser Meerenge. Die Region Tanger- Tetouan-Al Hoceïma enthält einige der frühesten bekannten Belege der menschlichen Besiedlung des westlichsten Nordafrika.
9. Ile de Mogador, Essaouira
Die Insel Mogador (Île de Mogador) vor Essaouira war eine phönizische Handels- station des 7. bis 5. Jahrhunderts v. Chr. — eine der am weitesten nach Westen vorgeschobenen phönizischen Präsenzen am Atlantik. Die Ausgrabungen der 1950er Jahre durch André Jodin förderten phönizische Importwaren (zyprisch-phönizisches Feingut), eine Purpurfarberei (Murex-Schnecken) und Amphoren zutage, die atlantische Fischereiprodukte in den Mittelmeerraum exportiert wurden.
10. Thamusida (Sidi Ali ben Ahmed), Küste
Thamusida, am Fluss Sebou nahe Kenitra, ist eine römische Flusshafen- und Militärstation, die die Grenze der Provinz Mauretania Tingitana am Atlantik sicherte. Freigelegt wurden eine Lageranlage, ein Forum, Thermen und Wohn- viertel. Besonders wertvoll sind die botanischen Reste und Tierknochen, die Aufschlüsse über die Ernährungsgewohnheiten der Garnison an der Peripherie des Reiches geben.
Auf der Karte erkunden
Marokkos archäologische Stätten, von der Atlantikküste bis in die Sahara, sind teilweise gut erschlossen, teilweise abseits der touristischen Wege. Die interaktive Karte hilft bei der Planung.