Die 10 bedeutendsten archäologischen Stätten in Spanien
Spanien ist einer der archäologisch reichsten Staaten Europas — und das über einen enormen Zeitraum: Die Höhlenmalereien Kantabriens datieren 35.000 Jahre zurück, die iberische und keltiberische Kultur formte die Bronzezeit, die Römerprovinz Hispania war eine der wohlhabendsten des Imperiums, und die arabische und christliche Stadtkultur des Mittelalters hinterließ stadtarchäologische Schichten von außergewöhnlicher Dichte.
1. Altamira, Kantabrien
Die Höhlenmalerei von Altamira, 1879 von Marcelino Sanz de Sautuola entdeckt (zunächst von der Wissenschaft angezweifelt), zeigt Bison, Pferde, Hirsche und Eberhände in einer polychrome Bemalung der Magdalénien-Kultur (ca. 18.500– 14.000 v. Chr.), die in ihrer Lebendigkeit und technischen Meisterschaft noch heute fasziniert. Die Höhle selbst ist für Besucher geschlossen; eine exzellente Replikahöhle neben dem Museum erlaubt das vollständige Erlebnis der Originaldarstellungen. UNESCO-Welterbestätte (Altamira und andere paläolithische Höhlenmalereien) seit 1985.
2. Mérida (Augusta Emerita), Extremadura
Mérida, Hauptstadt der Provinz Extremadura, war die bedeutendste Römerstadt der Iberischen Halbinsel — Hauptstadt der Provinz Lusitania und Residenz des Provinzgouverneurs. Das römische Theater (25 v. Chr., restauriert unter Hadrian), das Amphitheater, der Circus Maximus (für Wagenrennen, einer der größten Roms), der Diana-Tempel, zwei Triumphbögen und eine Brücke über den Guadiana sind alle erhalten. Das Nationalmuseum für römische Kunst, entworfen von Rafael Moneo, ist eines der besten Museen seiner Art. UNESCO-Welterbestätte seit 1993.
3. Tarragona (Tarraco), Katalonien
Tarraco war die älteste römische Provinzhauptstadt der Iberischen Halbinsel (Provinz Hispania Citerior, später Hispania Tarraconensis). Die Stadtmauern aus republikanischer Zeit (200 v. Chr.) sind zum Teil noch sichtbar. Das Amphitheater am Meer, das Circus-Stadion, das Forum Provinciale und eine Nekropole mit bedeutenden frühchristlichen Grabdenkmälern sind gut erhalten. Die Pedrera-Aquädukt ("Puente del Diablo") außerhalb der Stadt ist eine der besterhaltenen Aquäduktanlagen Spaniens. UNESCO-Welterbestätte seit 2000.
4. Aquädukt von Segovia, Kastilien-León
Der Aquädukt von Segovia, aus dem 1./2. Jahrhundert n. Chr. stammend, ist das besterhaltene römische Ingenieurbauwerk Spaniens: über 800 Meter lang, bis zu 29 Meter hoch, aus 166 Bögen mit 20.400 Granitblöcken ohne Mörtel gefügt. Der Aquädukt versorgte die Stadt bis ins 20. Jahrhundert mit Trinkwasser. Die technische Leistung und der visuelle Eindruck im Stadtbild von Segovia machen ihn zum ikonischen Symbol römischen Ingenieurwissens. UNESCO-Welterbestätte (Altstadt Segovia) seit 1985.
5. Atapuerca, Kastilien-León
Die Stätten der Sierra de Atapuerca bei Burgos sind von fundamentaler Bedeutung für die Erforschung der frühesten Besiedelung Europas. Im Sima del Elefante wurden Homo-sapiens-Vorläufer (möglicherweise Homo antecessor) aus dem Zeitraum vor 1,2 Millionen Jahren gefunden — die ältesten bekannten menschlichen Reste Westeuropas. Die Gran Dolina hat eine Sequenz von Funden geliefert, die den frühesten Homo antecessor in Europa (ca. 800.000 Jahre alt) belegen. UNESCO- Welterbestätte seit 2000.
6. Numantia (Garray), Kastilien-León
Numantia, nahe Soria, ist der Ort der berühmten Belagerung von 134/133 v. Chr., bei der der keltiberische Stamm der Arevaker einer mehrjährigen Belagerung durch Scipio Africanus widerstand, bevor die Einwohner kollektiv den Tod wählten, um nicht in Gefangenschaft zu fallen. Die archäologischen Reste — Stadtanlage, Belagerungsring, Lager Scipios — sind teilweise erhalten. Das Ereignis ist ein Schlüsselmoment der iberisch-römischen Geschichte und wurde zu einem Symbol des Widerstands gegen Fremdherrschaft.
7. Medina Azahara (Madinat al-Zahra), Andalusien
Medina Azahara, westlich von Córdoba, war die Palaststadt, die der erste Kalif von Córdoba, Abd ar-Rahman III., ab 936 n. Chr. als Machtzentrum und Repräsentation des Umayyaden-Emirats errichten ließ. Die Anlage, auf drei Terrassen in den Abhang des Berges gebaut, fasste Palastsäle, Moscheen, Gärten und Verwaltungsgebäude für über 10.000 Bewohner. Sie wurde nach einem Bürgerkrieg 1010 niedergebrannt und versank im Sand. Die seit den 1910er Jahren laufenden Ausgrabungen haben den Thronsaal und andere Kernbereiche freigelegt. UNESCO- Welterbestätte seit 2018.
8. Illici (La Alcudia), Valencia
La Alcudia, nahe Elche, ist die Stätte der iberischen Stadt Illici, bekannt als Fundort der Dama de Elche — einer polychrom bemalten Büste aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., die zu den ikonischsten Werken der iberischen Kunst gehört. Die Stätte zeigt Schichten von der Bronzezeit bis in die Römerzeit und demonstriert die Komplexität der iberischen Zivilisation, die griechische, karthagische und römerische Einflüsse zu einer eigenständigen Kultur verarbeitete.
9. Cueva de El Castillo, Kantabrien
Cueva de El Castillo, nahe Puente Viesgo, ist eine der bedeutendsten paläolithischen Höhlen Spaniens. Die ältesten Darstellungen — ein roter Scheibenpunkt, ein Negativabdruck einer Menschenhand — sind durch Uranium-Series-Datierung auf mindestens 40.800 Jahre datiert worden (Pike et al., 2012), was sie zu den ältesten bekannten Höhlendarstellungen der Welt macht. Die Frage, ob sie von Homo sapiens oder Neandertalern geschaffen wurden, ist noch nicht endgültig entschieden.
10. Cancho Roano, Extremadura
Cancho Roano ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes orientalisierendes Heiligtum aus dem 5./4. Jahrhundert v. Chr. — ein rechteckiger Gebäudekomplex, der rituellen Aktivitäten, Banketten und möglichen Orakelbefragungen diente, bevor er rituell niedergebrannt und versiegelt wurde. Die phoenikisch-orientalischen Einflüsse auf die Westiberische Halbinsel sind hier besonders deutlich sichtbar. Die Stätte gibt Einblick in die wenig bekannte Tartessische Kultur Südwestspaniens.
Auf der Karte erkunden
Spaniens archäologische Stätten sind über das gesamte Land verteilt und gut erschlossen, von kantabrischen Küstenhöhlen bis zu andalusischen Palästen. Die interaktive Karte bietet einen vollständigen Überblick.