Die 10 bedeutendsten archäologischen Stätten in Tunesien
Tunesien war im Altertum eines der strategisch wichtigsten Territorien des westlichen Mittelmeerraums. Hier gründeten die Phönizier Karthago, das zur bedeutendsten Konkurrentin Roms wurde, hier entstanden nach dem Sieg Roms blühende Provinzstädte, und hier überlebten in der Spätantike christliche und byzantinische Gemeinden bis zur arabischen Eroberung. Das Land besitzt acht UNESCO-Welterbestätten.
1. Karthago, Großraum Tunis
Karthago wurde laut Überlieferung 814 v. Chr. von der phönizischen Prinzessin Dido gegründet und wurde zur mächtigsten Stadt des westlichen Mittelmeers. Die punische Metropole, dreimal mit Rom in Kriegen gelegen (Punische Kriege 264–146 v. Chr.), wurde 146 v. Chr. zerstört und nach einer Legende mit Salz bestreut. Das tatsächliche Karthago, das die Römer wieder aufbauten, ist durch Ausgrabungen gut belegt: Tophet (Kinderopferheiligtum?), Byrsa-Hügel, punische Hafenanlagen und römische Villenviertel mit Mosaiken. Die Thermenanlage der Antonine (2. Jahrhundert n. Chr.) ist eine der größten des Imperiums. UNESCO-Welterbestätte seit 1979.
2. El Djem (Thysdrus), Zentraltunesien
El Djem beherbergt das drittgrößte erhaltene Amphitheater der antiken Welt — nach dem Kolosseum in Rom und dem Amphitheater in Capua — mit einer Kapazität von ca. 35.000 Zuschauern, erbaut im 3. Jahrhundert n. Chr. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass El Djem weder eine Provinzhauptstadt noch ein militärisches Zentrum war — der Bau wird mit dem Olivenölreichtum der Region erklärt. Die Katakomben und ein Museumsgebäude mit exzellenten Mosaiken aus der Umgebung ergänzen die Stätte. UNESCO-Welterbestätte seit 1979.
3. Dougga (Thugga), Nordtunesien
Dougga, auf einem Hügel im Bergland Nordtunesiens gelegen, gilt als die am besten erhaltene Kleinstadt der römischen Welt. Das kapitalinische Tempel- trio, Theater, Forum, Mausoleo des Numiderkönigs Ateban (2. Jahrhundert v. Chr.) — das einzig gut erhaltene numidische Monument auf tunesischem Boden — und das Nymphäum machen Dougga zu einem der vielseitigsten Stätten Nordafrikas. Die bilingue punisch-libische Inschrift am Mausoleum war der Schlüssel zur Entzifferung der libyschen Schrift. UNESCO-Welterbestätte seit 1997.
4. Bulla Regia, Nordtunesien
Bulla Regia ist einzigartig im gesamten Mittelmeerraum: Die Bewohner der Römerzeit bauten wegen der sommerlichen Hitze unterirdische Villen mit Innenhöfen und Mosaiken in Kellergeschossen. Diese "Untergrundvillen" sind außergewöhnlich gut erhalten und zeigen Mosaike von hoher Qualität in situ. Oberirdisch zeigen Tempel, Theater, Thermen und ein Forum den normalen Charakter einer römischen Mittelstadt. Die numidische Königsresidenz, die der Stadt ihren Namen gab, liegt unter der römischen Schicht.
5. Sbeitla (Sufetula), Zentraltunesien
Sbeitla zeigt das ungewöhnliche Bild eines dreifachen Kapitoltempels auf einem einzigen Podest — ein Unikum in der römischen Welt. Die drei nebeneinander gestellten Tempel des Jupiter, Juno und Minerva, erbaut im 2. Jahrhundert n. Chr., bilden das Herzstück eines gut erhaltenen Forumskomplexes. Sbeitla war im 7. Jahrhundert n. Chr. kurzzeitig die Hauptstadt des letzten byzantinischen Exarchen von Afrika, bevor die arabische Eroberung die Provinz beendete. Christliche Basiliken aus diesem Übergang sind sichtbar.
6. Utica, Großraum Tunis
Utica war die älteste phönizische Kolonie in Nordafrika — möglicherweise um 1101 v. Chr. gegründet, also vor Karthago. Nach dem Fall Karthagos 146 v. Chr. wurde Utica zur Hauptstadt der neuen römischen Provinz Africa, bevor Karthago wieder aufgebaut und die Funktion übernahm. Die Ausgrabungen zeigen Schichten der punischen Siedlung und darüber eine römerische Stadt mit Thermen und Mosaiken. Die Lage am Fluss Medjerda wurde durch Verlandung verändert; Utica liegt heute mehrere Kilometer vom Meer entfernt.
7. Makthar (Mactaris), Zentraltunesien
Makthar, eine numidische Stadt, die erst im 1. Jahrhundert n. Chr. romanisiert wurde, zeigt den typischen Übergang von der punisch-numidischen zur römisch- afrikanischen Stadtkultur. Ein großes Schola-Gebäude (Vereinshaus der Jugend- lichen), ein Triumphbogen, Thermen und mehrere Tempel sind gut erhalten. Die Inschrift des "Schnitters von Mactaris" — eines numidischen Landarbeiters, der sich durch Fleiß aus der Armut arbeitete — ist eines der seltenen sozialen Selbstzeugnisse aus der römischen Unterschicht.
8. Chemtou (Simitthu), Nordwesttunesien
Chemtou ist bekannt als Quelle des Numidischen Marmors (Giallo Antico), eines gelb-oran-genen Buntmarmors, der zu den begehrtesten Baumaterialien des Römischen Reiches zählte. Die Steinbrüche, die von kaiserlichen Sklaven und Gefangenen betrieben wurden, und das Lager der Arbeiter sind archäologisch erforscht. Reste eines numidischen Heiligtums, eines römischen Theaters und von Brücken zeigen die Dimensionen dieses Bergbau- und Produktionszentrums.
9. Kerkouane, Cap Bon
Kerkouane ist die einzige vollständig erhaltene punische Stadt der Welt — sie wurde um 250 v. Chr. im Ersten Punischen Krieg verlassen und nie wieder besiedelt. Dadurch sind Straßenraster, Wohnhäuser mit punischen Badewannen (einem charakteristischen dreistufigen Beckentyp), Werkstätten und ein Friedhof im punischen Originalzustand erhalten. Die Stätte ist von enormer Bedeutung für das Verständnis einer Zivilisation, von der sonst fast nur die Texte der Feinde (Römer und Griechen) überliefert sind. UNESCO-Welterbestätte seit 1985.
10. Thuburbo Majus, Großraum Tunis
Thuburbo Majus, südlich von Tunis gelegen, besitzt ein gut erhaltenes Forum mit dem Tempel des Jupiter (221 n. Chr.) und den Thermen der Antonine aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. — mit Mosaiken in situ. Eine quadratische Palästra (Sportraum) ist fast vollständig erhalten. Die Stadt zeigt exemplarisch den Typus der mittleren römisch-afrikanischen Provinzstadt, die weder Provinz- hauptstadt noch militärischer Stützpunkt war, aber beachtlichen Wohlstand aus der Landwirtschaft (Olivenöl, Weizen) schöpfte.
Auf der Karte erkunden
Tunesiens archäologische Stätten sind auch für Individualreisende gut erreichbar; das Straßennetz der Römerzeit strukturiert noch heute weite Teile des Lands. Die interaktive Karte zeigt alle eingetragenen Fundorte.