Die 10 bedeutendsten byzantinischen archäologischen Stätten
Das Byzantinische Reich — das Ostrom, das das Weströmische Reich um fast tausend Jahre überlebte — existierte von 330 (Gründung Konstantinopels) bis 1453 (Fall Konstantinopels) n. Chr. Seine archäologischen Hinterlassenschaften verbinden spätrömische Tradition, christliche Ikonographie, griechische Sprache und Kultur und einen eigenständigen ästhetischen Stil, der die Kunst Ost- europas bis in die Gegenwart prägt.
1. Istanbul (Konstantinopel), Türkei
Konstantinopel, 330 n. Chr. von Kaiser Konstantin als neue Hauptstadt gegründet, war über Jahrhunderte die größte Stadt der christlichen Welt. Die Hagia Sophia (532–537 n. Chr., unter Justinian erbaut) ist das architektonische Meisterwerk des Byzantinischen Reiches — ihre Kuppel von 31 Metern Durchmesser übertraf alles Bekannte und wurde erst im 16. Jahrhundert übertroffen. Die Theodosianischen Landmauern (5. Jahrhundert), das Hippodroms-Ensemble und die Basilika-Zisterne (527 n. Chr.) sind weitere Schlüsselelemente. UNESCO-Welterbestätte (Istanbul) seit 1985.
2. Ravenna, Italien
Ravenna, kurzzeitig Hauptstadt des Weströmischen Reiches (402–476 n. Chr.) und dann des Ostgotischen Königreichs und des Byzantinischen Exarchats, beherbergt das bedeutendste Ensemble frühchristlicher und byzantinischer Mosaike außerhalb Konstantinopels: Das Mausoleum der Galla Placidia (ca. 425 n. Chr.), San Vitale (547 n. Chr.) und Sant'Apollinare Nuovo zeigen Goldmosaike von überragender Qualität. Das Justinian-Mosaik in San Vitale ist das bedeutendste zeitgenössische Kaiserbild des Byzantinischen Reiches. UNESCO-Welterbestätte seit 1996.
3. Mystras, Griechenland
Mystras, auf einem Bergsporn nahe Sparta, war die letzte bedeutende Hauptstadt des byzantinischen Griechenlands (1249–1460 n. Chr.) und ein Zentrum spätbyzantinischer Kunst und Philosophie. Der Neuplatoniker Gemistos Plethon lehrte hier; seine Ideen beeinflussten die Renaissance in Florenz. Die Mosaike und Fresken der Kirchen — Metropolis, Pantanassa, Brontochion — zeigen spätbyzantinische Malerei auf höchstem Niveau. UNESCO-Welterbestätte seit 1989.
4. Thessaloniki, Griechenland
Thessaloniki, die zweitgrößte Stadt des Byzantinischen Reiches nach Konstan- tinopel, beherbergt bedeutende früh-byzantinische Mosaike: Das Acheiropoietos (5. Jahrhundert), Hagios Demetrios (5./7. Jahrhundert, mit Heiligen-Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert in situ), Hagia Sophia (8. Jahrhundert) und der Rotunden-Komplex mit seinem prächtigen 4./5. Jahrhundert-Mosaik sind alle noch stehend oder teilweise zugänglich. UNESCO-Welterbestätte (paläochristliche und byzantinische Monumente) seit 1988.
5. Cappadocia (Göreme), Türkei
Die Höhlenkirchen Kappadokiens, aus dem Tuffstein ausgehöhlt, enthalten byzantinische Fresken aus dem 10.–12. Jahrhundert, die die spätbyzantinische Ikonographie in ihrer Entwicklung zeigen. Das Göreme-Freilichtmuseum umfasst mehr als 30 Kirchen. Die Tokali-Kirche besitzt das größte Freskenprogramm Kappadokiens. Die gesamte Region zeigt, wie die byzantinische Provinzkunst in der Peripherie des Reiches eine eigene, lebendige Tradition entwickelte. UNESCO-Welterbestätte seit 1985.
6. Hosios Loukas, Griechenland
Hosios Loukas, ein Kloster in Böotien, enthält ein vollständiges byzantinisches Mosaikprogramm des frühen 11. Jahrhunderts — die eindrucksvollste Gesamtausstattung eines mittelbyzantinischen Kirchengebäudes, die erhalten ist. Das Pantokrator- Mosaik in der Kuppel und die Mosaike in den Pendentifs (Eckzwickeln) sind Höhepunkte der mittelbyzantinischen Kunst. Das Kloster ist noch heute ein aktives Mönchskloster. UNESCO-Welterbestätte (zusammen mit Daphni) seit 1990.
7. Daphni, Athen, Griechenland
Das Daphni-Kloster, wenige Kilometer westlich von Athen, besitzt ebenfalls ein bedeutendes byzantinisches Mosaik-Ensemble des 11. Jahrhunderts: Der Christus-Pantokrator in der Kuppel — ein strenges, goldgrundes Bild der göttlichen Herrschaft — ist eines der ikonischsten Bilder des Byzantinischen Reiches überhaupt. UNESCO-Welterbestätte seit 1990.
8. Nea Moni, Chios, Griechenland
Nea Moni auf Chios (1042 n. Chr., gestiftet von Kaiser Konstantin IX.) enthält Mosaike des 11. Jahrhunderts in einem Stil, der dem Konstantinopler Hofstil zugerechnet wird — und damit einen direkten Einblick in die Kunstproduktion des kaiserlichen Hofes gibt. Die Kirchenanlage wurde durch ein Erdbeben (1881) stark beschädigt; ein Teil der Mosaike überlebte. UNESCO-Welterbestätte seit 1990.
9. Chersonesos (Sewastopol), Ukraine/Krim
Chersonesos, auf der Krim, war eine der bedeutendsten byzantinischen Städte am Schwarzen Meer und der Ort, an dem der Rus-Fürst Wladimir I. um 988 n. Chr. getauft wurde — ein Ereignis, das die Christianisierung der Kiewer Rus einleitete. Die Ausgrabungen zeigen eine lange Stadtsequenz von der griechischen Koloniezeit bis in die byzantinische Periode. Politisch ist die Stätte seit der russischen Annexion der Krim 2014 umstritten zugänglich.
10. Ani, Türkei
Ani, an der türkisch-armenischen Grenze, war die Hauptstadt des mittelalterlichen armenischen Bagratiden-Königreichs (961–1064 n. Chr.) und kurz danach eine bedeutende byzantinische Festung. Die Stadtruine auf einem Plateau über einer Schlucht enthält Kirchen, Kathedralen, eine Moschee und Stadtmauern in einem Erhaltungszustand, der den urbanen Reichtum des mittelalterlichen Armeniens sichtbar macht. Die Ani-Kathedrale (989–1001 n. Chr.) gilt als Meisterwerk der mittelalterlichen Architektur. UNESCO-Welterbestätte seit 2016.
Wohin zuerst?
Byzantinisches Erbe verteilt sich von Italien bis Georgien, von der Krim bis nach Ägypten. Die interaktive Karte zeigt die geographische Reichweite dieses langen Reiches.