Die 10 bedeutendsten archäologischen Stätten in Iran
Der Iran ist einer der Kernräume der menschlichen Zivilisationsgeschichte. Auf seinem Territorium entstanden einige der frühesten städtischen Siedlungen, das erste transkontinentale Imperium der Geschichte und eine ungebrochene Folge von Kulturen, die Jahrtausende überbrückt. Sieben iranische Stätten stehen auf der UNESCO-Welterbeliste, und die Gesamtzahl bekannter archäologischer Fundstellen im Land übersteigt 500.000.
1. Persepolis, Fars-Provinz
Persepolis (Parsa auf Altpersisch) war die Zeremonialhauptstadt des Achämeniden- reichs, gegründet von Darius I. um 518 v. Chr. und von Alexander dem Großen 330 v. Chr. niedergebrannt. Die Anlage auf einer Terrasse aus dem Kalkfels trägt Überreste des Apadana-Empfangssaals, der Hundert-Säulen-Halle, des Tor- des-Xerxes und mehrerer Königspaläste. Die Reliefdarstellungen auf den Treppen- aufgängen zeigen Delegationen aller Provinzen des Reichs mit Tributgaben — eines der eindrucksvollsten Bilddokumente imperialer Repräsentation der Antike. UNESCO-Welterbestätte seit 1979.
2. Pasargadae, Fars-Provinz
Pasargadae, die erste Residenz des Kyros II. (Kyros der Große), liegt 87 Kilometer nordöstlich von Persepolis und gehört zur gleichen Welterbestätte. Das einfache, aber würdevolle Grabmal des Kyros (gestorben 530 v. Chr.) — ein sechsstufiger Stufensockel, auf dem eine Steinhauskammer ruht — ist das älteste bekannte Grab eines persischen Königs. Die weitläufigen Gartenpaläste von Pasargadae gelten als Vorläufer des persischen Gartenkonzepts (Pairidaeza), das über das Arabische als "Paradies" in alle modernen Sprachen eingegangen ist.
3. Susa (Shush), Khuzestan-Provinz
Susa ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Erde: Die ersten Besiedlungsschichten reichen ins 7. Jahrtausend v. Chr. zurück. Die Stadt war Hauptstadt der elamischen Zivilisation und später eine der Residenzstädte der Achämeniden. Hier wurde der Kodex Hammurabi im 12. Jahrhundert v. Chr. von einem elamischen König als Beute aus Babylon gebracht — und 1901 von der französischen Mission unter Jacques de Morgan ausgegraben. Die Ausgrabungen in Susa sind die langlebigsten systematischen Grabungen im Nahen Osten (seit 1884 mit Unterbrechungen). UNESCO-Welterbestätte seit 2015.
4. Chogha Zanbil, Khuzestan-Provinz
Chogha Zanbil ist die besterhaltene Zikkurat außerhalb Mesopotamiens, erbaut um 1250 v. Chr. vom elamischen König Untash-Napirisha als religiöses Zentrum. Die ursprünglich fünfstöckige Anlage steht noch in drei Stockwerken, umgeben von mehreren konzentrischen Mauern und Tempeln. Die Zikkurat, aus ungebrannten Lehmziegeln mit einer Außenhülle aus gebrannten Ziegeln errichtet, wurde nie fertiggestellt — der König starb, bevor die Weihung vollzogen werden konnte. Die gesamte Stadt war religiösen Zwecken geweiht und war offenbar kaum bewohnt. UNESCO-Welterbestätte seit 1979, das erste iranische Objekt auf der Liste.
5. Bisotun, Kermanshah-Provinz
Der Fels von Bisotun trägt die bedeutendste Inschrift des Achämenidenreichs: Darius I. ließ um 520 v. Chr. einen Triumphbericht in drei Sprachen — Altpersisch, elamisch und babylonisch — in den Kalkstein meißeln. Die Inschrift ist begleitet von einem Relief, das Darius vor unterworfenen Rebellen zeigt. Henry Rawlinson, britischer Offizier, kopierte die Inschrift 1835-1844 unter lebensgefährlichen Bedingungen und entzifferete daraufhin die Keilschrift — ähnlich wie der Stein von Rosette für die Hieroglyphen. UNESCO-Welterbestätte seit 2006.
6. Naqsh-e Rostam, Fars-Provinz
Naqsh-e Rostam, fünf Kilometer von Persepolis entfernt, ist eine Felswand mit vier Königsgräbern der Achämeniden — Darius I., Xerxes, Artaxerxes I. und Darius II. — sowie zahlreichen sasanidischen Felsreliefs darunter, die Thronbesteigungen, Investituren und Schlachtsiege zeigen. Das bekannteste zeigt die Gefangennahme des römischen Kaisers Valerian durch Schapur I. um 260 n. Chr. — das einzige erhaltene Bild einer Niederlage eines römischen Kaisers in der zeitgenössischen Kunst. Die Stätte liegt auf dem gleichen Besuchsgelände wie Persepolis.
7. Isfahan (historische Stadtanlage), Isfahan-Provinz
Isfahans historisches Zentrum, unter den Safawiden ab 1598 nach dem Grundsatz "Isfahan ist die halbe Welt" planmäßig angelegt, ist das wichtigste städtebauliche Ensemble des islamischen Iran. Der Imam-Platz (Naqsh-e Jahan, UNESCO-Welterbestätte seit 1979) ist einer der größten städtischen Plätze der Welt, umgeben von der Imam-Moschee, der Ali-Qapu-Palast, der Sheikh-Lotfollah-Moschee und dem Großen Basar. Ältere Schichten — seldschukische, ilkhanidische, timuridische — sind unter und neben dem safawidischen Isfahan sichtbar.
8. Shahr-i Sokhta (Burnt City), Sistan-Provinz
Shahr-i Sokhta, die "verbrannte Stadt", liegt im extremen Osten Irans und war zwischen 3200 und 1800 v. Chr. ein bedeutendes städtisches Zentrum der Bronzezeit. Die Ausgrabungen förderten frühe Belege für Brettspiele (ein Spielbrett mit Würfeln aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.), die älteste bekannte künstliche Augenprothese und ein komplexes Textilproduktionssystem zutage. Die Stadt war ein wichtiger Knotenpunkt der Handelsrouten zwischen Mesopotamien, Zentralasien und dem Industal. UNESCO-Welterbestätte seit 2014.
9. Takht-e Soleyman, West-Aserbaidschan-Provinz
Takht-e Soleyman ("Thron des Salomon") ist ein sasanidisches Feuertempel- komplex aus dem 5./6. Jahrhundert n. Chr., errichtet um einen natürlichen Kratersee, aus dem kohlendioxidreiches Wasser aufsteigt. Der Feuertempel Adur Gushnasp war eines der heiligsten Heiligtümer des Zoroastrismus — hier krönten sasanidische Könige ihre Herrschaft mit rituellen Handlungen. Die Anlage zeigt islamische Überarbeitungen aus der Ilkhaniden-Zeit (13./14. Jahrhundert). UNESCO-Welterbestätte seit 2003.
10. Jiroft, Kerman-Provinz
Jiroft, erst nach 2001 systematisch erforscht, hat sich als Zentrum einer hochentwickelten Bronzezeit-Kultur des 3. Jahrtausends v. Chr. erwiesen — möglicherweise die sagenhafte Aratta der mesopotamischen Literatur. Die Grabungen, ausgelöst durch illegale Raubgrabungen nach Überschwemmungen, förderten Chlorit-Steinbehälter mit elaborierten Reliefdarstellungen zutage, die bislang in keinen bekannten archäologischen Kontext eingeordnet werden konnten. Eine bislang nicht entzifferbare Schrift auf einigen Objekten wirft die Frage nach einem weiteren frühen Schriftsystem auf.
Auf der Karte erkunden
Die archäologischen Stätten des Iran sind über ein riesiges Territorium verteilt — von den Bergen des Zagros bis in die Wüsten des Ostens. Viele dieser Stätten sind auf der interaktiven Karte erfasst.