Die 10 bedeutendsten bronzezeitlichen archäologischen Stätten
Die Bronzezeit (ca. 3300–1200 v. Chr., je nach Region variierend) ist das Zeitalter, in dem Metallurgie, urbane Gesellschaften, Fernhandel und Schrift sich parallel entwickelten. Die Kollapsereignisse um 1200 v. Chr. — Zerstörung zahlloser Paläste rund ums östliche Mittelmeer — sind noch heute Gegenstand intensiver Forschung. Die folgenden Stätten sind repräsentativ für die geographische und kulturelle Breite dieser Epoche.
1. Akrotiri, Santorini, Griechenland
Akrotiri auf der Insel Santorini wurde um 1620 v. Chr. (Radiokarbon) von einem massiven Vulkanausbruch unter Bimsstein begraben — was die Erhaltung der minoischen Stadt exzeptionell macht: Mehrgeschossige Häuser mit Wandmalereien in situ, Keramik auf den Böden, doppelstöckige Räume mit Treppensystemen. Keine Menschenknochen wurden gefunden — die Bewohner hatten die Stadt rechtzeitig verlassen. Akrotiri war wahrscheinlich eine wohlhabende Stadt im minoischen Handelsnetzwerk.
2. Knossos, Kreta, Griechenland
Knossos, seit Arthur Evans' Ausgrabungen ab 1900 das Symbol der minoischen Kultur, war das bedeutendste Palastzentrum der ägäischen Bronzezeit (ca. 1700– 1400 v. Chr.). Die Anlage mit Hunderten von Räumen, Lichtschächten, Fresken (die Stierspringer sind ikonisch), Schriftarchiven (Linear A und Linear B) und einem ausgeklügelten Abwassersystem ist ein Schlüsselort der europäischen Zivilisationsgeschichte. Evans' Teilrekonstruktion ist wissenschaftlich umstritten, hat aber das Besuchserlebnis stark geprägt.
3. Troja, Türkei
Troja (Hisarlık) in der Nordwesttürkei ist der Ort der neun übereinander geschichteten Stadtsiedlungen, von denen Troja VI/VIIa (1700–1180 v. Chr.) mit dem homerischen Troja identifiziert wird. Heinrich Schliemanns Ausgrabungen (ab 1871) hatten die Überzeugung, den Ort der Ilias gefunden zu haben. Die neuere internationale Forschungsmission (Manfred Korfmann) hat die Stadt als bedeutendes bronzezeitliches Handelszentrum in der Dardanellenstraße bestätigt.
4. Mycenae, Griechenland
Mykene, das erste groß angelegte Ausgrabungsprojekt Schliemanns (1874), war das politische Zentrum der mykenischen Kultur (ca. 1600–1100 v. Chr.). Das Löwentor, die Zirkulären Gräberkreise A und B (mit goldenem Schmuck und Masken) und die gewaltigen Kuppelgräber (Schatzhaus des Atreus) gehören zu den eindrucksvollsten bronzezeitlichen Monumenten des Mittelmeerraums. UNESCO-Welterbestätte (zusammen mit Tiryns) seit 1999.
5. Ebla, Syrien
Ebla (Tell Mardikh), ausgegraben ab 1964 von der Universität Rom, war ein früh-bronzezeitlicher Stadtpalast mit einem Archiv von 17.000 Keilschrift- tafeln aus dem 24. Jahrhundert v. Chr. — das älteste bekannte Staatsarchiv der Geschichte. Die Tafeln belegen weitreichende Handelsverbindungen und eine eigene semitische Sprache. Ebla ist für das Verständnis des dritten Jahrtausends v. Chr. in Nordsyrien fundamental.
6. Akko (Tell el-Fukhar), Israel
Tell el-Fukhar, unter dem modernen Akko, enthält eine bedeutende Bronze- zeitschicht der ägyptischen Garnisonsstadt des 15.–13. Jahrhunderts v. Chr. Die Amarna-Briefe erwähnen Akko als wichtigen Hafen; Ausgrabungen haben Keramik, ägyptische Objekte und Architekturreste dieser Schicht geliefert.
7. Uluburun-Wrack, Türkei (Unterwasser)
Das Uluburun-Wrack (ca. 1305 v. Chr.), 1982 entdeckt und von 1984–1994 ausgegraben, ist das bedeutendste bronzezeitliche Schiffswrack der Welt: Die Ladung umfasste 10 Tonnen Kupferbarren, eine Tonne Zinnbarren, Elfenbein, Ebenholz, Gold- schmuck, mykenische Keramik, kanaanäische Amphoren und ein Goldring, der mit Nefertiti in Verbindung gebracht wird. Das Schiff zeigt den Fernhandel des östlichen Mittelmeers um 1300 v. Chr. in unübertrefflicher Direktheit.
8. Uruk, Irak
Uruk, am unteren Euphrat, ist eine der ältesten Städte der Menschheit und der Ursprungsort der Schrift: Die ersten Keilschrifttafeln datieren auf ca. 3400–3100 v. Chr. und stammen aus dem Uruk-Tempelkomplex. Die Stadt war in der Ur-III-Periode (ca. 2100 v. Chr.) mit einer Stadtmauer von 9 Kilometern Länge eine der größten der Welt. Der Held Gilgamesch — Hauptfigur des ältesten Epos der Menschheitsgeschichte — ist mit Uruk verbunden.
9. Stonehenge, England
Stonehenge in Wiltshire (ca. 3000–1500 v. Chr.) ist die bekannteste bronzezeitliche Monumentalanlage der britischen Inseln — die Hauptphase der Steine datiert auf ca. 2500 v. Chr. Die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnwende ist gesichert. Neue Forschungen zeigen, dass die Blausteine aus Pembrokeshire in Wales stammen und über mehr als 200 Kilometer transportiert wurden. UNESCO-Welterbestätte seit 1986.
10. Chogha Zanbil, Iran
Chogha Zanbil, die besterhaltene Zikkurat außerhalb Mesopotamiens, erbaut um 1250 v. Chr. vom elamischen König Untash-Napirisha, zeigt die bronzezeitliche Kultarchitektur der nicht-mesopotamischen Hochkulturen des iranischen Hochlands. Die nie fertiggestellte Anlage auf mehreren konzentrischen Mauern ist ein einzigartiges Monument der spätbronzezeitlichen Kulturdiversität des Nahen Ostens. UNESCO-Welterbestätte seit 1979.
Wohin zuerst?
Die Bronzezeit-Stätten verteilen sich von Britannien bis Indien und zeigen eine global vernetzte Epoche. Viele der hier genannten Orte sind auf der interaktiven Karte eingetragen.