Die 10 bedeutendsten präkolumbianischen Stätten Amerikas
Amerika war im Jahr 1492 kein leerer Kontinent: Schätzungen der Vorkontakt- Bevölkerung reichen von 50 bis 100 Millionen Menschen. Städte wie Teotihuacán (ca. 100.000 Einwohner) und Tenochtitlan (ca. 200.000 Einwohner) waren größer als die zeitgenössischen europäischen Metropolen. Die Gesellschaften der Präkolumbia kannten Astronomie, Architektur, Schrift (Maya), Stadtplanung und Fernhandel — und wurden durch europäische Krankheiten und Eroberung innerhalb weniger Jahrzehnte weitgehend zerstört.
1. Teotihuacán, Mexiko
Teotihuacán, 50 Kilometer nördlich von Mexico-Stadt, war zwischen 100 und 600 n. Chr. eine der größten Städte der Welt: Schätzungsweise 100.000–200.000 Menschen lebten hier. Die Sonnenpyramide (65 Meter hoch) und die Mondpyramide bilden die Achsen einer planmäßigen Stadtanlage. Teotihuacán beeinflusste das Maya-Tiefland, das Hochland Guatemalas und die mexikanischen Kulturen durch Handelsnetzwerke und möglicherweise militärischen Einfluss. UNESCO-Welterbestätte seit 1987.
2. Chichén Itzá, Mexiko
Chichén Itzá war das bedeutendste Zentrum der Postklassischen Maya (ca. 800– 1200 n. Chr.) und zeigt eine einzigartige Fusion von Maya- und Tolteken-Elementen. El Castillo (Pyramide des Kukulcán) zeigt zur Tag-Nacht-Gleiche ein Schlangen- effekt aus Licht und Schatten auf der Treppenrampe. Das Ballspielfeld ist das größte bekannte in Mesoamerika. UNESCO-Welterbestätte seit 1988.
3. Tikal, Guatemala
Tikal im Petén (400–900 n. Chr.) war eine der bedeutendsten Städte der klassischen Maya-Welt — mit Tempel I ("Tempel des Großen Jaguars", 47 Meter hoch) und einer Stadtfläche von möglicherweise 150.000 Einwohnern. Die LiDAR-Surveys der letzten Jahre haben das tatsächliche Ausmaß des urbanen Gebiets von Tikal auf über 100 km² geschätzt. UNESCO-Welterbestätte seit 1979.
4. Machu Picchu, Peru
Machu Picchu (ca. 1450–1532 n. Chr.), auf einem Bergkamm über dem Urubamba- Tal, war möglicherweise eine königliche Residenz des Inka-Herrschers Pachacutec. Die Anlage, 1911 von Hiram Bingham "wiederentdeckt" (die lokale Bevölkerung kannte sie), zeigt eine außergewöhnliche Integration von Architektur, Terrassen- landwirtschaft und Wasserversorgung in ein steiles Berggelände. Das Ciudadela de Machu Picchu ist auf der Karte der Plattform eingetragen. UNESCO-Welterbestätte seit 1983.
5. Cahokia, USA
Cahokia, am Mississippi bei St. Louis, war zwischen 1050 und 1150 n. Chr. die größte präkolumbianische Stadt nördlich von Mexiko. Der Monks Mound (30 Meter hoch, 316 × 240 Meter Grundfläche) ist der größte Erdhügel der neuen Welt. Die Mississippian-Kultur, die hier ihren Höhepunkt erreichte, war durch intensive Landwirtschaft und weitreichende Handelsnetzwerke charakterisiert. UNESCO-Welterbestätte seit 1982.
6. Caral, Peru
Caral, im Supe-Tal, ist mit seinen Strukturen aus ca. 2600 v. Chr. eine der ältesten gesicherten städtischen Gesellschaften Amerikas — zeitgleich mit den frühen Städten Mesopotamiens und Ägyptens, aber vollständig unabhängig davon entstanden. Die Pyramidenstrukturen, Plätze und Wohnviertel belegen eine komplexe Gesellschaft ohne Keramik, ohne Metallverarbeitung und ohne Schrift. Quipu (Knotenschriften) könnten hier ihren Ursprung haben. UNESCO-Welterbestätte seit 2009.
7. Chavín de Huántar, Peru
Chavín de Huántar (ca. 900–200 v. Chr.) war das religiöse Zentrum der Chavín- Kultur, die sich über das Hochland Perus verbreitete. Das Heiligtum zeigt unterirdische Galerien mit präzisen Steinblöcken, einen Menhir mit zoomorphen Schnitzereien (der "Lanzón") und eine ikonographische Tradition mit Harpy-Adlern, Jaguaren und anderen übernatürlichen Wesen. Die Architektur der Galerien erzeugte Rauschzustände durch Wasserlärm und Dunkelheit bei rituellen Handlungen.
8. Chaco Canyon, USA
Chaco Canyon in New Mexico war zwischen 850 und 1150 n. Chr. das Zeremonial- und politische Zentrum der Ancestral Puebloans. Das Pueblo Bonito (600 Räume, fünf Stockwerke) und die schnurgeraden Chacoan Roads (über 600 km Länge) zeigen eine gesellschaftliche Komplexität, die für eine semiaride Hochlandregion ohne Flüsse außergewöhnlich ist. UNESCO-Welterbestätte seit 1987.
9. Tiwanaku, Bolivien
Tiwanaku, am Südufer des Titicacasees auf über 3800 Metern Seehöhe, war zwischen 500 und 1000 n. Chr. das Zentrum einer bedeutenden Andenkultur. Das Sonnentor (Puerta del Sol), der Kalasasaya-Tempel und die Akapana-Pyramide zeigen eine ausgeklügelte Steinarchitektur. Tiwanakus Einfluss auf die andine Welt ist in Keramik, Textilien und Architektur von Süd-Peru bis Nordargentinien nachweisbar. UNESCO-Welterbestätte seit 2000.
10. Tenochtitlan (Templo Mayor), Mexiko
Tenochtitlan, heute Mexico-Stadt, war die Hauptstadt des Aztekischen Reiches — mit ca. 200.000 Einwohnern 1519 eine der größten Städte der Welt. Fast alles wurde 1521 von Cortés zerstört. Der Templo Mayor, wiederentdeckt 1978 beim Kabelgraben im Stadtzentrum, zeigt die Hauptpyramide in mehreren übereinander gebauten Phasen und liefert den direktesten materiellen Einblick in das Aztekische Reich.
Auf der Karte erkunden
Präkolumbianische Stätten verteilen sich über zwei Kontinente — von den arktischen Küsten bis Patagonien. Die interaktive Karte zeigt die erfassten Fundorte und ihre regionale Verteilung.